Gedanken zur 4. Fastenwoche

Im Film „Schönes Schlamassel“ wird gegen Ende folgende alte jüdische Geschichte erzählt:

Die kleine Talitha sitzt mit erschüttertem Vertrauen in ihren Liebsten neben dem Rabbiner am Flussufer und weiß nicht was sie machen soll. Der Rabbiner sagt: „Mädele, in unserem Herzen tobt immer ein Kampf zwischen zwei starken Wölfen. Der eine ist voller Hass und Wut, der andere voller Liebe und Vergebung.“ „Welcher Wolf gewinnt“, will die kleine Talitha wissen. „Immer der, den du gerade fütterst“.

Wie viele jüdische Geschichten, weist auch diese mit ihrer Weisheit gezielt auf unsere menschlichen Eigenschaften hin. Sie drückt aus, dass in uns allen sowohl das „Gute“, wie auch das „Böse“, in unterschiedlicher Ausprägung wohnt, es aber ausschließlich an uns liegt, welches von beiden wir „füttern“. Was also gibt den Ausschlag wie wir uns entscheiden? Das Gesetz oder unser Gewissen? Wollen wir überhaupt gut sein? Oder nur dort wo es leicht geht und uns nichts abverlangt wird?  Meldet sich gelegentlich unser Gewissen wenn wir etwas tun, getan haben oder unterlassen haben? Ist es „gefüttert“ mit einer ethisch-moralischen Grundeinstellung, die wir uns erarbeitet haben, und an der wir auch unser ganzes Leben weiter arbeiten müssen, ja, um die wir manchmal auch kämpfen müssen. Denn auch das Böse verlangt immer wieder nach Raum in unserem Herzen. Woher nehmen wir also das „Futter“ für das Gute in uns? Aus den Menschenrechten, dem kategorischen Imperativ, oder als Christen vor allem aus den Worten Jesu, der uns sagt, wie wir gut und recht handeln. Wir sollten ihm glauben. Denn wie es im Sonntagsevangelium zum 4. Fastensonntag heißt: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet“.