Gedanken zur 2. Fastenwoche

Fasten in der heutigen Zeit kann, je nach Sichtweise, sehr unterschiedliche Aspekte haben.

Die Achtsamkeitslehrerin Ursula Baatz erinnert daran, dass es in früherer Zeit quasi eine „natürliche“ Fastenzeit gab, und zwar die Zeit nach Weihnachten, wo es kaum Gemüse, außer Kohl, Kraut, Rüben und winterfeste Salate gab. Erst nach Ostern begann wieder alles zu wachsen und zu gedeihen.

Durch das ganzjährige von der Jahreszeit unabhängige Überangebot in den Supermärkten nehmen wir das heute kaum mehr wahr.


Wer heute fastet, tut dies wahrscheinlich aus sehr unterschiedlichen Motiven heraus. Häufig ist die eigene Gesundheit oder ein gewünschter Gewichtsverlust das Motiv. Nachhaltig ist das Fasten aber nur dann, wenn damit auch eine dauerhafte Verhaltensänderung einhergeht. Wenn ich nachher so weiterlebe wie vorher, war die Mühe vergebens. Die Fastenzeit ist also so gesehen eine „Einübungszeit“ für ein nachher geändertes Verhalten.


Auch in unserer katholischen Tradition gab es ein sogenanntes „Intervallfasten“, nämlich das
Fleischverbot am Freitag, was im Übrigen für Fischliebhaber oder Mehlspeistiger kein Opfer
bedeutete. Im zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) hat sich die Kirche in ihrer neuen
Fastenordnung aber wieder an der Bibel orientiert , wo Gott in Jesaja 58 sagt: „Seht doch, was ihr an euren Fasttagen tut! Ihr geht euren Geschäften nach und beutet eure Arbeiter aus. Ihr fastet zwar, aber ihr seid zugleich streitsüchtig und schlagt sofort mit der Faust drein. Darum kann euer Gebet nicht zu mir gelangen. Ist das vielleicht ein Fasttag , wie ich ihn liebe, wenn ihr nicht esst und nicht trinkt, euren Kopf hängen lässt und euch im Trauerschurz in die Asche setzt? Nennt ihr das ein Fasten das mir gefällt? Nein, Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus! Löst die Fesseln eurer Brüder, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, macht jeder Unterdrückung ein Ende! Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt obdachlose in euer Haus, kleidet den der nichts anzuziehen hat, und helft allen in eurem Volk die Hilfe brauchen.“


Starke Worte. Wir werden also aufgefordert unser ethisches und moralisches Handeln im Alltag zu überdenken, unseren Lebensstil. Es geht um das Liebesgebot gegenüber der Natur und unseren Mitmenschen. Auch um die Wahrnehmung unserer, diesem Liebesgebot entgegenstehenden, Eigenschaften und Verhaltensweisen, die wir gewohnt sind und die wir nur schwer ablegen können: Egoismus, Bequemlichkeit, Selbstüberschätzung, Rücksichtslosigkeit und Wegschauen statt Hinschauen und Helfen. Die Fastenzeit gibt uns die Chance über uns selbst nachzudenken, uns selbst zu durchschauen, etwas in unserem Leben zu verändern und wie bei einer Diät, das eine oder andere „einzuüben“, damit es bleibt und wirksam ist.


Wer glaubt, ein Christ zu sein,
weil er die Kirche besucht, irrt sich.
Man wird ja auch kein Auto,
wenn man in eine Garage geht.
(Albert Schweitzer)