Fastenzeit 2021

Das in unserer Kirche seit vielen Jahren übliche Fastentuch ist heuer, wie so vieles, der Corona Pandemie zum Opfer gefallen. Es hat jeweils ein Thema aufgegriffen als Denkanstoß für die Fastenzeit.

Einen Denkanstoß soll es aber auch heuer geben, mit einem vor dem Altar aufgestellten Christusbild nach orthodoxer Tradition.

Dazu ein paar Gedanken:
In unserer Liturgie denken wir in der Fastenzeit an Christus den Leidenden, den Gekreuzigten und zu Ostern an Christus den Auferstandenen. Das gewählte Christusbild zeigt hingegen Christus als den „Pantokrator“, also Christus als „Herrscher des Alls“, den „Weltenherrscher“, der zugleich Weltenrichter ist. In den ersten Jahrhunderten des Christentums gab es auf Grund des Bilderverbots im Alten Testament keine Darstellungen von Gott oder Christus. Man benützte stattdessen Zeichen, wie einen Fisch, ein Brot oder das Christusmonogramm XP. In der Kunst gab es im Lauf der Zeit viele Christus-Darstellungen, wie Christus als Guter Hirte, Lehrer, Erlöser der Welt (Salvator mundi) und viele andere.

Wir können die verschiedenen Darstellungen aus dem Blickwinkel der Frömmigkeit oder der Kunst betrachten. Die eigentliche Frage die wir uns stellen sollten ist aber: Welches Bild von Christus habe ich mir nach meinem Geschmack zurechtgelegt? Kenne ich Christus?

Wenn uns jemand ein Foto von einem Menschen zeigt den wir nicht kennen, so können wir nur Äußerlichkeiten beurteilen. Ist er alt oder jung, dick oder dünn, groß oder klein, mehr oder weniger gut gekleidet, ist er fesch und macht er einen guten Eindruck. Aber was das für ein Mensch ist können wir nicht feststellen. Dazu müssen wir ihn kennenlernen, müssen erleben was er tut, wie er lebt, was er denkt, wie er handelt, was seine Prinzipien sind. Ist er ehrlich, hat er gute Umgangsformen, ist er freundlich, freigiebig oder geizig, aufbrausend, egoistisch nur auf seinen Vorteil bedacht, fallweise zornig oder stets zuverlässig und hilfsbereit? Das Foto allein sagt uns das Wesentliche über den Menschen nicht.

So ist es auch mit einem Bild von Christus, und sei es künstlerisch noch so wertvoll. Vom heiligen Hieronymus ist der Satz überliefert: „Die Bibel nicht kennen, heißt Christus nicht kennen“. Damit
ist eigentlich alles gesagt. Wenn ich die Bibel, also die heilige Schrift, nicht kenne, kenne ich Christus nicht. Nur wenn ich sein aufgeschriebenes Leben, seine Worte und sein Handeln kenne,
kenne ich Christus.

Ein gut passender Hinweis dazu ist auch, dass Christus auf unserem Bild mit der Bibel in der Hand
dargestellt ist.