Segnung der neuen Messgewänder

Im Anschluss an die Sternsingermesse präsentierte Stadtpfarrer Dr. Borowski der Pfarrgemeinde die neuen Messgewänder und segnete sie. An diesem feierlichen Gottesdienst nahmen auch der Bürgermeister und die Vizebürgermeisterin von Groß-Enzersdorf teil - und das hatte seinen guten Grund. Denn: Alle Messgewänder weisen neben christlichen Symbolen auch das Stadtwappen auf. Das Stadtwappen hat aber schon seit längerer Zeit seinen fixen Platz in der Stadtpfarrkirche! Selbst langjährige Kirchenbesucher waren überrascht, als sie die Abbildung des Stadtwappens in einem Fenster auf der verwaisten Orgelempore entdeckten. Das Wappen schlägt eine Brücke zwischen Pfarre und Stadt, verweist doch der von Gold auf Blau geteilte Schild im oberen Feld (Mohrenkopf) auf das Bistum Freising, dessen Bischöfe für beinahe acht Jahrhunderte die Stadtherren stellten. Der untere Teil des Schildes geht auf das Geschlecht der Wehinger zurück. Gnadenmadonna und Pelikan: Die Symbole auf zwei Messgewändern seien kurz erläutert: Die Plastik der Gottesmutter Maria bildet den Mittelteil des barocken Hochaltars der Stadtpfarrkirche „Maria Schutz“. Die Gottesmutter wird hier als Maria Immaculata (lat. die Unbefleckte) dargestellt, eine Darstellungsform die besonders in der Barockzeit populär war. Die typischen Merkmale der Immaculata sind: Die Gottesmutter, in einen Strahlenkranz eingehüllt, thront auf der Erdkugel, den Mond zu ihren Füßen und zertritt der Schlange den Kopf. Die Schlange gilt als Symbol für die Erbsünde und das Böse allgemein. Im Hinblick auf die Einbettung in das Altarensemble war das nicht immer so, ist die Statue der Gottesmutter (1600 – 1650) gut 100 Jahre älter als der Hochaltar (um 1770). Eine besondere Verehrung erfuhr die isoliert auf einem Altar stehende Madonna mit Kind einst von der sogenannten Rosenkranz-Bruderschaft, die sich für Groß-Enzersdorf ab dem Jahr 1662 nachweisen lässt. Bei den Bruderschaften handelt es sich um sozial offene  Vereinigungen von Laien, die sich neben ihrer „gewöhnlichen“ Religionsausübung in besonderer Weise eine Beschleunigung der Tilgung ihrer zeitlichen Sündenstrafen erhofften. Die Mitglieder der Bruderschaften wurden angehalten, das Rosenkranzgebet, die Verehrung der Muttergottes und der Heiligen, die Teilnahme an Prozessionen, Gottesdiensten und Begräbnissen zu forcieren.  Nicht zuletzt beruhte aber die Attraktivität der Bruderschaften darauf, mit zahlreichen Ablassprivilegien ausgestattet zu sein. Jedenfalls dürfte die hier ansässige Rosenkranz-Bruderschaft entscheidend zur Verehrung der Gottesmutter beigetragen und „viel Volk“ hinter sich gebracht haben. Die Frömmigkeit mündete in der Begründung einer Wallfahrt zur Gnadenmutter vor Groß-Enzersdorf. Wann das Wallfahrtswesen hier einsetzte, kann nicht genau datiert werden - das Ende hingegen kam mit den theresianisch-josephinischen Wallfahrtseinschränkungen und –verboten. Es gilt aber als gesichert, dass Groß-Enzersdorf für einige Jahrzehnte im 18. Jahrhundert Wallfahrtsort war. Es dauerte lange bis die verschüttete Tradition der Wallfahrt zur Gnadenmutter von Groß-Enzersdorf wieder aufgenommen wurde. Am 11. Mai 1981 war es dem damaligen Stadtpfarrer Franz Fischer vorbehalten, die Neubegründung des Wallfahrtswesens in Groß-Enzersdorf mit der Feier einer Monatswallfahrt zu begehen, die bis heute viele Wallfahrer ins „Stadt´l“ zieht. Etwas unterhalb der Gnadenmadonna befindet sich ein vergoldeter Pelikan, der als Tabernakelaufsatz fungiert. Wofür steht der Pelikan? Schon in der Antike galt der Pelikan als Zeichen der Selbstaufopferung, der seine Jungen mit seinem eigenen Blut ernährt. In der christlichen Deutung steht der Pelikan für Christus, der sein Leben für die Seinen hingab.